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Prof. Peter Zec
Diese Fragen stellen sich derzeit zahlreiche Unternehmen in der ganzen Welt. Und die Antwort muss lauten „Ja!“ Aber warum? Warum auf scheinbar vordergründige, ästhetische Werte setzen, wenn die Produktionskosten anders viel geringer ausfallen würden?
Die aktuelle Marktentwicklung belegt, dass Unternehmen auf der ganzen Welt zunehmend gezielt in Design investieren, um ihre Position am globalen Markt zu stärken. Eigeninitiative ist gefragt, Hilfe durch Selbsthilfe. Die Frage „Welche Werte zählen noch in Krisenzeiten?“ beantworten die Unternehmen ebenso wie die Verbraucher mit „Qualität“.
Die Designaffinität der einzelnen Branchen ist so hoch wie nie zuvor, das Interesse an Designwettbewerben, die die eigene Leistung in den globalen Vergleich stellen, wächst. Im Technologiesektor hat die Wirtschaft in den vergangenen Jahren Spitzenleistungen erreicht. Nun gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen - und hier kommt die Designqualität ins Spiel. Durch gezielte Investitionen in kreative Leistungen kann sich ein gut aufgestelltes Unternehmen deutlich besser als die Konkurrenz am Markt durchsetzen und die Kaufbereitschaft der Kunden wecken.
Doch was genau ist gutes Design? Gutes Design muss vor allem eines: ganzheitlich überzeugen. Es ist eine perfekte Kombination aus vier Qualitäten: Funktion, Verführung, Gebrauch und Verantwortung. Wenn ein Produkt diesem Anspruch gerecht wird und darüber hinaus noch zu einem akzeptablen Preis angeboten wird, ist es unschlagbar.
Design schafft langfristig Identität und Vertrauen. Mit der Zeit entsteht dann das, was wir die Produktkultur eines Unternehmens nennen. Etwas, dass unverwechselbar auf die Kompetenz und Qualität des Unternehmens verweist und jedes neue Produkt von vornherein als Teil dieser einzigartigen Kultur zu erkennen gibt.
Das Resultat ist dann eine eindrucksvolle Positionierung am Markt, die im Wesentlichen auf Design basiert. Die Identität des Unternehmens mit der Differenz des jeweils Neuen zu einer Einheit zu bringen, ist die Formel, mit der ein Unternehmen langfristige Erfolge verzeichnen kann. Eine Synthese aus Produktqualität, Corporate Identity, Markenauftritt und Logogestaltung ist ein bedeutendes Kriterium zur Stärkung des wirtschaftlichen Potenzials. Das alles schafft gutes Design.
Design kann eine Richtung vorgeben, eine Orientierung im Dschungel der Massenproduktion. Gerade in Krisenzeiten setzen die Menschen immer wieder auf Bekanntheit und vertraute Werte. Hierzu zählt in ganz besonderer Weise auch das Vertrauen in gute Produktqualität.
Es versteht sich von selbst, dass dieses in hohem Maße durch das Design der Produkte hervorgerufen wird. Die Unternehmen, die in der Krise über einen hohen Designwert verfügen, haben also weitaus bessere Chancen zu überleben als ihre weniger kreativen Wettbewerber. Wer jetzt in der Lage ist, mit besseren Designprodukten zu überzeugen, der wird letztendlich auch die Krise überstehen und als Gewinner daraus hervorgehen.
Design kann, wenn es richtig eingesetzt wird, von unschätzbarem Vorteil für ein Unternehmen sein. Viele Unternehmen verdanken dem Design ihre Existenz und ihren Markterfolg. Ein historisches Beispiel hierfür ist das deutsche Unternehmen Braun, das mit seinen Produkten seit den Fünfzigerjahren Designgeschichte geschrieben hat und für viele Nachfolger bis heute das Sinnbild des Erfolges mittels Design darstellt.
Begründet wurde dieser Erfolg durch die intensive Zusammenarbeit des Unternehmens mit der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Der Unternehmer Erwin Braun suchte die Kooperation mit Designern, um seinem Unternehmen und den Produkten im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Form zu geben.
In der Zusammenarbeit mit dem Grafikdesigner Otl Aicher entstand dabei zunächst ein neues Erscheinungsbild des Unternehmens, welches von Klarheit und Angemessenheit geprägt war und auf jede Form von Dekor verzichtete. Die Kompetenz und der Anspruch des Unternehmens, zeitgemäße, qualitativ hochwertige und einzigartige Produkte herzustellen, sollte damit auf den ersten Blick sichtbar zum Ausdruck gebracht werden. Dem entsprechend modern und andersartig wurden dann auch in Zusammenarbeit mit Hans Gugelot die ersten neuen Produkte gestaltet.
Mit der für die damalige Zeit völlig ungewöhnlichen, revolutionären Produktkultur des Unternehmens entstand für viele Käufer und Verehrer dieser Produkte ein neues, avantgardistisches Lebensgefühl. Braun-Kunden erkannten von Beginn an das Besondere an der neuen Gestaltung der Braun Radios, Hifi Anlagen, Haushaltsgeräte und Rasierapparate. Durch den Kauf dieser Produkte entstand bei ihnen sehr schnell das Gefühl, ein besonderes Leben zu führen und einen spezifischen Geschmack zu haben.
Wie wichtig es ist, Design als feste Größe in die Unternehmensstruktur zu integrieren, belegt auch das Unternehmen Apple. Ohne Design würde es dieses Unternehmen schon lange nicht mehr geben. Heute gilt Apple als Paradebeispiel für unternehmerischen Erfolg durch designaffine Investitionspolitik. Der Erfolg ist ganz wesentlich geprägt von dem Verhältnis zwischen dem Unternehmer Steve Jobs und dem Designer Jonathan Ive. Dabei ist es interessant zu beobachten, wie sehr dieses Erfolgsmodell dem alten Model der Firma Braun ähnelt. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte von Apple nämlich mit der Zusammenarbeit von Steve Jobs und Hartmut Esslinger, dem Gründer von frogdesign. So entstand damals die revolutionäre Produktneuheit des Macintosh Homecomputers.
In der zweiten Erfolgsphase des Unternehmens wurde eine interne Designabteilung unter der Leitung von Jonathan Ive aufgebaut. Die mit Produkten wie dem iMac, iPod und iPhone bis heute neue Standards im Design setzt. Bei Braun begann alles mit der Zusammenarbeit zwischen Erwin Braun und Hans Gugelot. Später wurde auch dort eine interne Designabteilung gegründet. Dieter Rams, der langjährige Leiter dieser Abteilung hat mit den zu seiner Zeit entstandenen Produkten den Erfolg des Unternehmens maßgeblich mitbegründet.
Zahlreiche Unternehmensgeschichten belegen, dass Design für eine besondere Form von Qualität steht – eine Qualität, die untrennbar mit dem wirtschaftlichen Erfolg verknüpft ist, eine Qualität, die in Zeiten der Krise ganz besonders gefragt ist. Qualität hat natürlich ihren Preis. Doch schafft eine Investition in gute Gestaltung einen so wesentlichen Mehrwert für den unternehmerischen Erfolg, dass genau hier das Potenzial der Zukunft liegt. Im allgemeinen Verständnis hat Design oft den Ruf, extravagant und teuer zu sein. Dem gegenüber ist der Faktor Design ein solides Instrument zur Steigerung des Unternehmenserfolges. Ideal ist es dann, wenn beste Qualität zu einem guten Preis zu haben ist.
Prof. Dr. Peter Zec Geschäftsführender Gesellschafter, red dot, Essen, und Initiator des red dot design award, und Senator, International Council of Societies of Industrial Design info@red-dot.de
red dot design award red dot steht für die Zugehörigkeit zu den Besten in Design und Business. Der red dot ist ein weltweit anerkanntes Qualitätssiegel für ausgezeichnetes Design und wendet sich an alle, die ihr wirtschaftliches Handeln durch Design qualifizieren wollen. Die Qualifizierung basiert auf dem Prinzip der Selektion und Präsentation. Ausgewählt wird herausragendes Design in dem internationalen Designwettbewerb „red dot design award“ durch Expertenjurys in den Bereichen Produktdesign, Kommunikationsdesign und Designkonzept. Mit über 11.000 Anmeldungen aus mehr als 60 Ländern ist der red dot design award der größte Designwettbewerb der Welt. Das red dot design museum in Essen ist der Hauptfirmensitz und zeigt die größte Ausstellung zeitgenössischen Designs weltweit. Das Museum gilt als Anziehungspunkt für Design- und Architekturliebhaber aus der ganzen Welt. Ein zweites red dot design museum wurde 2005 in Singapur eröffnet. Weitere Infos online unter www.red-dot.de
(eingestellt am 04.04.09)
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