Konjunktureller Abschwung in Osthessen

Konjunkturbericht der IHK Fulda zum Herbst 2019

„Der konjunkturelle Abschwung ist leider nun auch in Osthessen angekommen“, kommentiert Stefan Schunck, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda, die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturumfrage vom Herbst dieses Jahres.

 

Die derzeitige Geschäftslage wird von den Unternehmen zwar noch als weitgehend gut bis befriedigend bewertet, lediglich sechs Prozent beurteilen die aktuelle Situation als schlecht.

  

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Allerdings hat sich die Zahl der Unternehmen, die ihre zukünftige Geschäftslage eher ungünstig beurteilen, im Vergleich zur Umfrage vom Mai dieses Jahres nahezu verdoppelt. Rund 27 Prozent der befragten Unternehmen befürchten in den kommenden Monaten einen Rückgang der geschäftlichen Aktivität. Der Anteil der Unternehmen, die eine günstigere Geschäftslage in den kommenden Monaten erwarten, ist mit knapp 20 Prozent fast gleich geblieben. Dafür ist die Zahl der Befragten, die eine etwa gleich bleibende Geschäftslage erwarten, auf 54 Prozent gesunken.
 
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Der Geschäftsklimaindex, der sich aus der Bewertung der derzeitigen wie auch der Einschätzung der zukünftigen Geschäftslage zusammensetzt, ist gegenüber der Mai-Umfrage auf 111,7 Punkte gesunken (Mai: 120,1). Vor einem Jahr noch lag dieser Wert bei fast 129 Punkten. Die Einschätzung der unterschiedlichen Branchen differiert in dieser Konjunkturumfrage sehr deutlich.
 
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Besonders die Industriebetriebe sind von der Abschwächung betroffen: So hat sich die Zahl der Unternehmen, die eine gute derzeitige Geschäftslage haben, auf 37,5 Prozent reduziert (Mai: 48,4 Prozent). Von einer schlechten aktuellen Geschäftslage sprechen über zwölf Prozent der Betriebe in dieser Branche (Mai: 3,2 Prozent). Wie groß die Unsicherheit in der Industrie ist, zeigt besonders der Blick auf die Erwartungen. Über 40 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung in den kommenden Monaten – das sind mehr als dreimal so viel wie noch im Mai. Von in einer etwa konstanten Geschäftstätigkeit in den kommenden Monaten gehen 46,9 Prozent der Industriebetriebe aus (Mai: 65,6 Prozent). Die konjunkturelle Abschwächung wird besonders deutlich, wenn man sich den Geschäftsklimaindex ausschließlich auf die Industrie bezogen anschaut: Innerhalb eines Jahres ist dieser von 130 auf 95 Punkte gesunken.
Die Handelsunternehmen sind in ihrer Einschätzung auch in dieser Umfrage wieder recht stabil. Die derzeitige Geschäftslage wird ganz überwiegend als gut bis befriedigend betrachtet. In den kommenden Monaten rechnen knapp sieben Prozent mit einem wirtschaftlichen Rückgang.
Deutlich skeptischer beurteilt der Dienstleistungssektor die zukünftige Entwicklung. Über ein Drittel der Firmen in dieser Branche erwarten einen weiteren Rückgang, die aktuelle Lage wird von 58 Prozent der Betriebe hingegen als befriedigend betrachtet.
Die insgesamt nachlassende konjunkturelle Entwicklung zeigt sich auch in der zurückhaltenden Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Die Zahl derjenigen, die mit steigenden Investitionen rechnen, hat gegenüber Mai abgenommen: Nur noch 30,8 Prozent der Betriebe gehen von zunehmenden Investitionen aus. 18,7 Prozent der Befragten rechnen mit einem Rückgang der Investitionstätigkeit. Besonders deutlich wird die nachlassende Investitionsbereitschaft in der Industrie: Rund ein Drittel der Firmen rechnen hier mit sinkenden Investitionen (Mai: 13 Prozent).
 Große Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt sind trotz der raueren Konjunktur wohl eher nicht zu erwarten. Die Zahl der Betriebe, die von einem Beschäftigungsabbau ausgehen, hat sich zwar von 8,5 Prozent im Mai auf 16,3 Prozent aktuell nahezu verdoppelt. Gleichzeitig ist aber auch die Zahl derjenigen Betriebe gestiegen, die Mitarbeiter einstellen wollen – aktuell sind dies über 20 Prozent (Mai: rund 15 Prozent). Auch in der beschäftigungsstarken Industrie ist keine klare Tendenz erkennbar: 25 Prozent der Betriebe wollen ihre Beschäftigungszahl reduzieren, 19 Prozent hingegen ausbauen.
 Grund für diese unterschiedlichen Tendenzen auf dem Beschäftigungsmarkt dürfte der Fachkräftemangel sein. Auch in dieser Umfrage erklären über 65 Prozent der Betriebe, dass der Fachkräftemangel ein Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung darstelle, gefolgt von einer nachlassenden Inlandsnachfrage und steigenden Arbeitskosten.
 „Handelsrestriktionen, anhaltende Brexitdiskussionen und andere außenwirtschaftliche und –politische Entwicklungen sowie die Unsicherheiten in der Automobilindustrie, eine der deutschen Schlüsselindustrien, haben nun auch die Unternehmen unserer Region erreicht.
 Die Politik sollte dringend zur Kenntnis nehmen, dass vor allem der Mittelstand in dieser angespannten Lage keine weiteren wirtschaftlichen Belastungen mehr schultern kann. Die Konjunkturumfrage verdeutlicht darüber hinaus, die stabilisierende Wirkung des Konsums für die deutsche Wirtschaft. Ein weiteres Ergebnis: Derzeit verhindert der drohende Fachkräftemangel noch drastische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt“, interpretiert Stefan Schunck die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK.